Social Engineering leichtgemacht oder die Geschichte des abgehackten Kopfes

Es kommt ja häufig vor, das man Gesprächsfetzen in der U-Bahn mitbekommt.

Meistens sind diese belanglos oder so „anonymisiert“, das man keine Namen oder Firmen heraushört.

Heute morgen in der Hamburger U-Bahn war das leider nicht so.

Die nächsten Absätze sind aus dem Gedächtnis niedergeschrieben, es waren allerdings so viele Informationen, das ich ggf. einige falsch wiedergebe.

Am Bahnsteig kamen zwei Herren an und standen neben mir.

Folgendes sind einige Infos, die ich in den nächsten ca. 5 Minuten mithören konnte.

OH:

Herr Strathe wollte so gerne zu Herrn Bossis Beerdigung gehen und Frau Sachse hat sich echt Mühe gegeben, das vor den Weihnachtstagen einzurichten.

(Hat anscheinend leider nicht geklappt).

Und Joachim hat sein Konzept abgearbeitet, es aber leider mit der Beschwerde auch nicht hinbekommen.

Und die Zeugin aus dem Fall vor 10 Jahren konnte sich auch nicht mehr erinnern, wo sie die Informationen nun herhat, anscheinend gibt es einen Zeit Artikel, der das Thema auch behandelt.

Den wollte sich der Herr nun auch mal holen, vielleicht ist das ja interessant.

Und der Fall, wo versucht wurde, der Person den Kopf abzuhacken.. also wirklich.

Sowas möchte man doch morgens nun echt nicht in der U-Bahn hören.

Aber einer Person, die eine quietsch-gelbe Daunenjacke trägt, sind solche Überlegungen evtl. eh fremd.

Der zweite Kollege hat zwar nichts Interessantes zum Gespräch beigetragen, aber seinen Kollegen auch nicht wirklich unterbrochen oder darauf hingewiesen, das man solche Informationen vielleicht nicht in der Öffentlichkeit kundtun sollte.

Meine Vermutung:

Sie sind nicht an der Station „Gänsemarkt“ ausgestiegen, aber die nächste Station ist „Messehallen“, dort ist das Landgericht Hamburg.

Aufgrund der Art und Weise, wie sie bestimmte Wörter genutzt haben, z.B.: „die 3 Anwälte“, vermute ich, das es Richter oder auf Staatsseite Beschäftigte waren.

Was soll uns dieser kurze Blogpost nun sagen?

Solange es Menschen gibt, die aus Ignoranz, aus Nicht-Dran-Denken, aus Nicht-Dessen-Bewusst-Sein oder anderen Gründen Informationen, die Ihnen anvertraut sind, in der Öffentlichkeit ausposaunen, solange muss man sich nicht wundern, wenn Themen wie „Datenschutz“, „Privatsphäre“ oder auch nur der Respekt vor ggf. Opfern und Beteiligten als nachrangig angesehen werden.

Wenn man viel reist, wird man feststellen, das dieses Verhalten leider durchaus häufig vorkommt.

Am Ende einer Zugfahrt kann man durchaus eine komplette Projektlage kennen, inklusive Ansprechpartner und Budgetzahlen.

Anfänger Tips für Gespräche im öffentlichem Raum

  1. Nicht über die Arbeit sprechen

  2. Keine Kunden, Klienten, Firmen oder sonstige Namen nennen

  3. Nicht den ganzen Waggon, Bus, o.ä beschallen, leise sprechen (minimiert den Kreis der Mithörer)

Experten Tip

  1. Das obige gilt auch für Arbeiten am Laptop und Gespräche am Telefon

  2. Wenn man unbedingt mit Laptop arbeiten muss, eine Sichtfolie benutzen (minimiert den Kreis der Mitleser)

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